Datum: 01.01.2026
Ort: Alte Nikolaikirche, Römerberg · Frankfurt am Main (gemeinsam mit der St. Paulsgemeinde)
Zum Jahresbeginn 2026 feierten wir unseren traditionellen Neujahrsgottesdienst gemeinsam mit der St. Paulsgemeinde. Im Mittelpunkt stand die Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5: „Siehe, ich mache alles neu.“ – als Zuspruch und Auftrag, unsere Perspektive auf Mitmenschen und Gottes Schöpfung im Licht Jesu Christi zu erneuern.
Die Predigt unserer Pfarrerin Junita Rondonuwu-Lasut im Wortlaut:
Liebe Gemeinde,
Die Jahreslosung für das Jahr 2026 ist entnommen aus der Offenbarung 21, 5, die lautet: »Ich mache alles neu.«
Wir fragen uns vielleicht, was Gott neu machen wird. Diese Erde ist schließlich schon sehr alt. Ungefähr 4,5 oder 4,6 Milliarden Jahre alt.
Und der Prediger selbst besagt: Was früher einmal geschah, wird wieder geschehen. Und was Menschen getan haben, wird wieder getan: Es gibt nichts Neues unter der Sonne! Es kann schon sein, dass einer sagt: »Schau her, das hier ist neu!« Doch schon vorher hat es das gegeben, vor langer Zeit. (Prediger 1, 9 und 10)
Kriege wie der zwischen Ukraine und Russland gab es schon tausende Male in der Geschichte der Menschheit.
Wirtschaftskrisen passieren schon in einem wiederkehrenden Zyklus.
Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Fluten, Waldbrände kommen alle Jahre wieder.
Hass, Eifersucht, Groll, Arroganz und Gewalt sind menschliche Charakterzüge, die sich über Generationen und Millennia hinweg nicht geändert haben.
Alles war schon mal und wird wieder geschehen. Es gibt nichts Neues unter der Sonne! Das heißt, was meint Gott, wenn er sagt: Ich mache alles neu?
Der Jesus, an den wir glauben, ist geboren und gestorben und auferstanden für die Ewigkeit.
In Jesus wird alles neu, sagt Paulus. Und was ist neu in Jesus?
Als die Menschen ihn hassten, liebte er die Menschen umso mehr.
Als die Menschen Gewalt an ihn taten, begegnete er ihnen mit Vergebung.
Genau das meint Gott, dass er alles neu macht.
Gemeint ist, dass Gott jeden üblichen Umgang in der Kultur wie Auge um Auge, Zahn um Zahn, verändert.
Feinde werden nicht angefeindet, sondern geliebt. Verbrecher werden nicht bestraft, sondern vergeben. Er durchbricht den Kreis der Gewalt.
Malen wir es uns aus: Wenn der Hass im Herzen ersetzt wird, durch die Liebe Jesu. Wo bleibt da Platz für Konflikt zwischen Nachbarn, unter Freund*innen, Arbeitskolleg*innen und innerhalb der Familie?
Wenn Menschen einander lieben wie Jesus, so wird es keine Gewalt mehr geben, keine Unterdrückung, keine Ausbeutung, kein Rassismus und Sexismus.
Konflikt muss nicht jedes Mal zwangsläufig in Gewalt und Krieg enden. Er endet in Frieden und Gerechtigkeit.
In Indonesien zerstörte kürzlich Sturzfluten das Leben vieler Menschen. Tausende sind in dieser Katastrophe gestorben. Straßen und Brücken sind stark beschädigt. Zehntausende Häuser sind zerstört. Und Tausende sind auf der Flucht.
Dies ist das direkte Ergebnis dafür, dass Millionen Hektar Tropenwald gerodet und zu Ölpalmen-Plantagen umgewandelt wurden. Sowie zu Feldern für den Abbau von Bodenstoffen. Daraus folgt, dass das Regenwasser nicht mehr von der Erde aufgenommen werden kann, da die großen Wurzeln der tropischen Bäume nicht mehr existieren.
Die Ironie der Sache ist, dass die Exploitation der Wälder nicht von Einheimischen herbeigeführt wurde, sondern von Großkonzernen mit Sitz in Jakarta oder Europa und Amerika. Und die verarmte Bevölkerung vor Ort bekommen das Ausmaß dieser Waldrodung zu spüren.
Aber Sturzfluten passieren nicht nur in Indonesien, sondern auch in Südamerika und Afrika.
In der kapitalistischen Welt gibt es viele Faktoren, warum es so weit kommen konnte. Aber wo befindet sich die Kirche in all dem? Sie ist mitverantwortlich in dem Sinne, dass das christliche Verständnis des Heils darin besteht, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um die Menschen zu retten, und nicht die Wälder, den Boden, die Luft und das Wasser.
Kirchliche Mission hat sich historisch auf das Seelenheil der Menschen aus der Sünde konzentriert. Weil die Natur im Himmelreich bestimmt keinen Anteil oder keine Relevanz haben würde.
Dabei sangen die Engel doch: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.
Jesus ist für den Frieden auf Erden geboren. Frieden auf Erden kann nur im Einklang und Harmonie zwischen Menschen und Natur geschehen. Jesus ist gekommen, um die Menschen zu retten, aber auch die Wälder, die Tiere, die verschmutzte Luft.
Das meint Gott, wenn er sagt: Ich mache alles neu.
Gott in Jesus Christus errettet nicht nur die Menschen. Die Wälder, die Orang-Utans, die Elefanten und Tiger in Sumatra haben Anrecht auf Gottes Heil.
In Jesus verwandelt Gott unsere Perspektive über unsere Mitmenschen und seine Schöpfung.
Dass Menschen, egal welcher Herkunft, welcher sexuellen Orientierung, Ebenbilder Gottes sind und Würde besitzen, weil Gott sie geschaffen hat.
Dass Wälder, Erde, Wasser, Luft, Tiere und Pflanzen, Teil der Mission Jesu in der Welt ist.
Liebe Gemeinde, wir beginnen nun das neue Jahr 2026. Es stimmt, dass es unter der Sonne nichts Neues gibt.
Aber es ist ein Gutes, wenn wir die Art, wie wir andere Menschen und die Natur betrachten und unsere Rolle im Umgang mit ihnen bewerten, erneuern.
Wenn unser Blick im Lichte Jesu Christi erneuert wird, dann können wir nur mit neuer Hoffnung voranschreiten.
Konflikte sind überbrückbar und überwindbar, wenn wir unsere Mitmenschen mit Liebe begegnen.
Wenn die Liebe in uns wohnt, erfahren wir unsere Beziehung zur Welt immer wieder neu.
Wenn die Liebe in unsere Herzen leuchtet, so sehen wir unseren liebsten Menschen jeden Tag neu, auch wenn die Jahre voranschreiten.
Siehe, ich mache alles neu.
Ein gutes neues Jahr, liebe Schwestern und Brüder. Jesus segne uns alle.
Den Gottesdienst können Sie als Livestream/Mitschnitt hier ansehen:
Kriege wie der zwischen Ukraine und Russland gab es schon tausende Male in der Geschichte der Menschheit.
